ERKW

 

Der Bundesrat hat in Zusammenarbeit mit den Schweizer Kirchen den 9. Januar 2026 zum nationalen Trauertag nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana erklärt. An diesem Tag, wurden um 14 Uhr schweizweit die Kirchenglocken läuten.

Während des Glockengeläuts waren die Menschen eingeladen zum stillen Gebet, zum Gedenken an die Verstorbenen, zur Verbundenheit mit den Verletzten und ihren Angehörigen. Es ist auch ein Zeichen des Dankes an alle, die mit unermüdlichem Einsatz dafür sorgen, dass die Krise bewältigt werden kann. Dies gilt insbesondere für die Rettungskräfte, die Menschen im medizinischen, psychologischen, seelsorglichen Dienst aber auch die politischen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger.

Die Kirchgemeinden boten einen Raum für Gebet, Stille und Trauer.

 

Das Gebet von Rita Famos, Pfarrerin und Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, wurde anlässlich der vom Staatsrat im CERM in Martigny organisierten Gedenkfeier der Opfer von Crans-Montana gelesen.

Gott – Du
Wir sind hier.   

Zerbrochen. 
Weil Leben jäh endet. 
Weil etwas geschehen ist, 
das nicht hätte geschehen dürfen. 
Und weil Fragen bleiben.  

Warum?  

Wir halten inne. 
In einer schweren Stille.  

Ein Atemzug 
für das, was fehlt. 
Für das, was nicht mehr gesagt, 
nicht mehr gelebt, 
nicht mehr geteilt werden kann.   

Warum?  

Wir denken an die Verletzten. 
An jene, die Schmerzen tragen, 
die um ihr Leben ringen, 
die Zeit brauchen, 
um wieder Vertrauen zu fassen – 
in den eigenen Körper, 
in den nächsten Schritt, 
in den kommenden Tag.  

Wir denken an alle, 
die an ihrer Seite wachen, hoffen, bangen.  

Wir danken für alle, die pflegen, heilen, trösten.  

Wir erinnern uns an Namen. 
An Gesichter. 
An Geschichten.  

Was war, 
bleibt in uns. 
Was fehlt, 
schmerzt.  

Und immer wieder diese Fragen: 
Warum? 
Warum du? 
Warum sie? 
Warum gerade er?  

Wir stehen hier 
nicht um zu erklären, 
was keiner begreifen kann, 
sondern um da zu sein.  

Miteinander. 
Nebeneinander. 
Zusammen.  

Zusammen trauern 
ohne Antwort. 
Erinnern 
ohne Worte.  

Darin verbunden. 
Über Unterschiede hinweg. 
Im Glauben 
und im Zweifeln.  

Möge Mitgefühl 
eine leise Kraft sein, 
die uns trägt.  

Möge Liebe gerade auch da sein  
wo wir nicht glauben und nicht mehr hoffen.  

Im Aushalten. 
Im Tragen. 
Im Teilen dessen, 
was schwer ist.  

Dieser Moment sammelt uns. 
Dieser Moment hält uns.  

Halt uns auch Du 
in Deiner Verbundenheit.  

Amen

Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz